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Die Organisation des Werkes fächerte sich auf in die Werkleitung, den Werkschutz
und in die Lagerleitung, die sich außerhalb des Geländes im Lager Riederloh
befand.
An der Spitze des Werkes stand Dr. Hermann Herzog, Diplom-Chemiker und
vereidigter Industrie-Chemiker. Er war ein Meister seines Faches und erfand das
,Pulver 208', das die Wirkung der Flakgranate wesentlich erhöhte. Außerdem
zeigte er als Werkleiter mit zwei- bis dreitausend Beschäftigten (3600 sollen es
anfangs 1944 gewesen sein) sichtlich Talent für Menschenbehandlung. Der Schutz
für die innere und äußere Sicherheit hatte bei diesem geheimen Kriegswerk, das
mit hochexplosivem Material arbeitete, natürlich eine besondere Bedeutung. Dem
tüchtigen Werkschutzleiter war Hauptmann a. D. Bärmann standen zwei Gruppen von
25 bis 30 Werkschutzleuten zur Verfügung, die in der Hauptwache beim Tor 1
untergebracht waren. Die Werkschutzleute waren uniformiert und mit Pistolen
bewaffnet und unterstanden der Kriminalaußenstelle Kaufbeuren. Außer den
ständigen Kontrollgängen im Werk und der Gebäudekontrolle gehörte zu den
Aufgaben des Werkschutzes der Feuerschutz, der Luftschutz, das Sanitätswesen und
die Spionageabwehr im Werk, für die es jeweils eigene Stellen gab. Auch die
Aufsicht im Lager Riederloh wurde durch die Wachmänner ausgeübt.
Das Lager Riederloh leitete Lagerleiter Wagner, er war für die Ordnung im Lager,
für die Betreuung und die Verpflegung der ausländischen Lagerinsassen
verantwortlich. Denn: Das Hauptkontingent der im DAG-Gelände Beschäftigten, etwa
90 Prozent aller Mitarbeiter, waren Ausländer." Die Deutschen unter der
Belegschaft arbeiteten in der Werkleitung und Verwaltung, als Vorarbeiter in den
Produktionsanlagen und beim Werkschutz. Sie wurden allgemein „Werker" genannt.
Die Fachleute unter ihnen waren von verschiedenen schon bestehenden chemischen
und rüstungstechnischen Werken abgestellt worden, in der Hauptsache aus dem Werk
in Rottweil. Das übrige Personal stammte unter anderem auch aus Kaufbeuren und
Umgebung. Die Anzahl der Beschäftigten aus nächster Umgebung war gering, alle
waren der Schweigepflicht unterworfen. Die deutschen Werksangehörigen von
auswärts wohnten vorübergehend im Lager, dann wurden sie in Gasthöfen oder in
Privatwohnungen in Kaufbeuren untergebracht. Auch neue Wohnbauten errichtete die
Werkleitung für ihre Spitzenkräfte. Sie wurden an Werktagen mit einem
werkeigenen Autobus in das DAG-Gelände gefahren. Sammelstelle war das
Kriegerdenkmal an der Schrader-Straße/Ganghoferstraße. Das Ausländerkontingent
war im Lager Riederloh untergebracht. Etwa 30 Prozent davon waren Franzosen und
Französinnen, Holländer, Flamen, Wallonen, Italiener, Tschechen, Polen,
Staatenlose, etwa 70 Prozent waren Ukrainerinnen. Diese „Fremdarbeiter",
beziehungsweise „Ostarbeiter", waren in den von der Deutschen Wehrmacht
besetzten Ländern zum Arbeitseinsatz in Deutschland verpflichtet worden.
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Das Gelände heute |
| Montage- und Reparaturhalle in
der für das DAG-Gelände typischen Bauweise mit Tarnanstrich, Nr. 589 (1947
mit eingebauten Wohnungen; Glashütte Hüttman und Endler, nachmals Scheibler,
Sudetenstraße) |
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Denn schon 1942 fehlten der deutschen Wirtschaft weit über eine Million
Arbeitskräfte. Sie war zu dieser Zeit bereits vollständig auf die Erfordernisse
und Belange der Kriegswirtschaft umgestellt worden, mit allen sich daraus
ergebenden Folgen wie Zwangsbewirtschaftung der Rohstoffe und Versorgungsgüter,
Arbeitspflicht für weite Kreise der deutschen Bevölkerung, soweit sie nicht zum
Kriegsdienst eingezogen worden waren.
Der Krieg an allen Fronten in Europa und Nordafrika verlangte immer größere
Einsätze an Menschen und Material. Erste große Verluste an Toten und in
Gefangenschaft geratenen Soldaten zeichneten sich ab. Nur wenigen Männern im
wehrfähigen Alter blieb nun die Einberufung zur Wehrmacht erspart. Ihre Plätze
in der Kriegswirtschaft nahmen die dienstverpflichteten Frauen ein. Die
Arbeitsnorm wurde von Jahr zu Jahr heraufgesetzt, Ende 1942 betrug sie schon pro
Wochentag zehn Stunden Arbeitseinsatz. Dennoch reichten Arbeitskräfte und
Arbeitsleistung bei weitem nicht aus, um die Kriegswirtschaft in Gang zu halten,
beziehungsweise sie zu steigern, damit den erhöhten Rüstungsanforderungen
Rechnung getragen
werden konnte. Darum hatte Hitler befohlen, die fehlenden Arbeitskräfte aus den
besetzten Gebieten, die etwa 250 Millionen Menschen bewohnten, zu rekrutieren.
Der oben stehende Text wurde teilweise gekürzt,
leicht verändert und mit Bildern ergänzt von Peter Dittert.
Der Text wurde mit freundlicher Genehmigung des Vorstands der
Leutelt-Gesellschaft e.V. entnommen aus dem Buch:
„Neugablonz - Stadtteil der ehemals Freien Reichsstadt Kaufbeuren im Allgäu“
Entstehung und Entwicklung
Herausgegeben von der Leutelt-Gesellschaft durch Susanne Rössler und Gerhart
Stütz
Das Buch mit dem vollständigen Text ist erhältlich für 35 Euro im örtlichen Buchhandel
von Neugablonz oder direkt von der Leutelt-Gesellschaft, Waldstetter Gasse 10a,
73525 Schwäbisch-Gmünd, Tel. 07171/72705 - gerne bin ich Ihnen bei der
Beschaffung des Buches behilflich - Email :
Peter Dittert
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