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2. Januar: Der Regierungspräsident in Augsburg teilt Dr. Volkhardt mit, dass der Landkreis Kaufbeuren - und hier besonders das ehemalige Rüstungsgelände - für die Aufnahme von Gablonzer Glasarbeitern vorgesehen sei. Januar: Das Werk wird zur Reparationsanlage erklärt. Bis 1949 werden Einrichtungsgegenstände mit einem Gesamtgewicht von über 1000 Tonnen in verschiedene europäische Staaten gebracht. Die Abwicklungsstelle verkauft freigegebene Materialien. Erste Gespräche zwischen Huschka, Dr. Volkhardt und Dr. Stang verlaufen positiv. Die beiden Politiker unterstützen Huschkas Ansiedlungspläne. 10. Januar: Erich Huschka wird mit der Ernennung zum „Beauftragten der Gablonzer Industrie" offiziell der Landesstelle Glas in München beigeordnet. 16. Januar: Huschka erhält von Dr. Vohland die Ermächtigung, Facharbeiter der Gablonzer Industrie direkt nach Kaufbeuren zu lenken. 30. Januar: Beginn der „regulären Aussiedlung" in Stadt und Landkreis Gablonz: Je 1200 Personen mit je 50 Kilo Gepäck werden in Güterwaggons verladen und nach Restdeutschland deportiert. 2. Februar: Von Huschka beauftragt, richtet Erwin Erben in der Kaufbeurer Schmiedgasse eine Aufnahmestelle für Gablonzer Facharbeiter ein. 2. März: Zehn Gablonzer gründen in Kaufbeuren einen „Arbeitsausschuss" zwecks Ansiedlung der Gablonzer Glas- und Schmuckwarenindustrie. März: Der bayerische Wirtschaftsminister Dr. Ludwig Erhard sperrt sich gegen die Ansiedlung der Gablonzer Industrie in Kaufbeuren. Er will ihre dezentrale Ansiedlung in Oberfranken oder im Bayerischen Wald durchsetzen. Hintergrund sind Weisungen der amerikanischen Militärregierung, die geschlossene Ansiedlungen der Sudetendeutschen mit möglicher Wiederbelebung landsmannschaftlicher Traditionen verhindern will. Die Vertriebenen sollen sich mit der einheimischen Bevölkerung vermischen und möglichst rasch in ihr aufgehen („Assimilierung"). 29. März: Zwangsweise Schließung der Dienststelle des „Beauftragten der Gablonzer Industrie". 2. Mai: In einer Besprechung im Wirtschaftsministerium in München, an der Repräsentanten der beiden in Frage kommenden Standorte Kaufbeuren und Oberfranken sowie Vertreter der Gablonzer Industrie unter Führung von Erich Huschka teilnehmen, drängt Wirtschaftsminister Dr. Erhard noch einmal darauf, die Gablonzer Industrie im Raum Bayreuth-Fichtelgebirge anzusiedeln. In einer Sitzung des bayerischen Ministerrats am selben Tag wird auf Vorschlag von Ministerpräsident Dr. Wilhelm Hoegner beschlossen, dass die bereits in Kaufbeuren ansässigen Gablonzer an ihrem Standort bleiben können, während alle noch in Bayern eintreffenden Gablonzer Facharbeiter künftig nach Oberfranken zu lenken seien. Der Beschluss wird am folgenden Tag den betroffenen Stellen in einem Rundschreiben mitgeteilt. 17. Mai: Das Staatskommissariat für das Flüchtlingswesen ordnet an, dass alle in Bayern eintreffenden Facharbeiter der Gablonzer Industrie samt ihrer Familienangehörigen nach Bayreuth weiterzuleiten seien. Der am 2. Mai beschlossene Ansiedlungsstopp ist damit in Kraft. Mai/Juni: Trotz Ansiedlungsverbot hält der Zustrom der Gablonzer nach Kaufbeuren mit Billigung Dr. Stangs, Dr. Volkhardts und des Flüchtlingsamtes an. 22. Mai: Mit einer Feier wird in Stöttwang die erste Glasdruckhütte eröffnet. Im Juli sind in der Kaufteurer Umgebung bereits 52 Drucköfen in Betrieb oder im Bau. Mai: Der Kaufbeurer Flüchtlingskommissar Anton Weigl mietet das Barackenlager Riederloh als Durchgangslager für Vertriebene an. Die ersten 150 Heimatvertriebenen ziehen am 25. Mai ein. 12. Juni: Gründung der „Allgäuer Glas- und Schmuckwarenerzeugung e.G.m.b.H.", am 20. Juli in „Allgäuer Glas-, Metall- und Schmuckwaren e.G.m.b.H." umbenannt, Geschäftsführer Dr. Fritz Enz. 21. Juni: Gründung der „Aufbau und Siedlungsgesellschaft" (ASG). Ihre Aufgabe ist es, das von Trümmern übersäte und geplünderte Gelände bewohnbar zu machen. Geschäftsführer ist Dr. Max Muschak.
26. Juni: Die ASG, vertreten durch Erich Huschka und Paul Dürrschmidt, schließt mit Zustimmung von Captain Neil einen Pachtvertrag mit dem Treuhänder der Fabrik Kaufbeuren, Willy Drucks, über zwei Drittel des Werkgeländes ab. Der Vertrag gilt ab 1. Juli 1946, Laufzeit 25 Jahre, Pachtzins 2000 Reichsmark monatlich. Das übrige Gelände bekommen die Brüder Heinz, Bernhard und Wolf Sauermann zugesprochen. Heinz leitet das Bus- und Transportunternehmen „Südzug OHG". Die Fahrzeuge werden auf dem Areal des ehemaligen Kraftwerkes abgestellt. Bernhard ist für die im Dezember 1945 gegründete „Allgäuer Fahrzeug- und Maschinenfabrik" zuständig, die in den Bunkern im Bereich Gewerbestraße/Lange Straße arbeitet. Wolf führt die „Südkeramik", die in einem Bunker an der Langen Straße Porzellanwaren herstellt. August: Erste katholische Gottesdienste im Lager Riederloh. 20. August: Das DAG-Gelände erhält vom Stadtrat Kaufbeuren den Namen „Kaufbeuren-Hart" zugesprochen. 15. September: Erste Registrierung von Gablonzer Bewohnern und Betrieben in Kaufbeuren-Hart durch die ASG: 17 Personen und vier Betriebe haben sich angesiedelt. 13. Oktober: Rudolf und Elsa Wundrak eröffnen im Gebäude 555 (ehemalige Elektrokarrenhalle) das Gasthaus „Zur Wahrheit". 16. November: Dr. Alfred Fritsch eröffnet die erste Arztpraxis in Kaufbeuren-Hart. November: Der „Südzug" nimmt den Linienbusverkehr zwischen Kaufbeuren-Hart und Kaufbeuren auf. 1. Dezember: Die Vertriebenentransporte aus dem Sudetenland in die amerikanische Besatzungszone werden eingestellt. Ende Dezember: Die erste Neugablonzer Glashütte (Scheibler) nimmt im Bunker 511 ihren Betrieb auf. Es folgen am 1. Juni 1947 die Glashütte Hüttmann und Endler (Bunker 589) und am 1. Dezember 1947 die Kittel-Glashütte (Bunker 340-342). In Kaufbeuren-Hart sind 117 Einwohner und 11 Betriebe gemeldet. |
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