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8. Januar: Das KZ-Lager wird aufgelöst, da die Häftlinge wegen einer aufgetretenen Ruhrepidemie und der menschenunwürdigen Behandlung durch ihre Bewacher nicht mehr arbeitsfähig sind. 15. Januar: Die Firma Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken erhält den Befehl, die Produktion von Zündhütchen von ihrem ausgebombten Werk in Grötzingen bei Karlsruhe nach Kaufbeuren zu verlagern. In den folgenden Monaten werden die funktionsfähigen Maschinen in den von den KZ-Häftlingen im Rohbau zurückgelassenen Gebäuden aufgestellt. Die Produktion läuft wegen des Kriegsendes nicht mehr an. Mitte April: Dipl.-Ing. Erich Huschka wird als Mitarbeiter eines Forschungsprojektes der deutschen Wehrmacht nach Bayern abkommandiert. Huschka stammt aus Neudorf im Kreis Gablonz (Nordböhmen), einer hochindustrialisierten und dichtbevölkerten Region mit zirka 100 000 Einwohnern, die durch ihre Glas- und Schmuckwarenindustrie weltbekannt wurde. Am 30. April gerät Huschka bei Ismaning in amerikanische Gefangenschaft 27. April: Die amerikanische Armee besetzt Kaufbeuren. Die Pulverfabrik wird von den einrückenden Truppen zunächst nicht beachtet. 30. April: Werkschutzleiter August L. Bärmann übergibt das DAG-Gelände den Amerikanern. 15. Juni: Beginn der Austreibung der Bevölkerung in Stadt und Landkreis Gablonz. Juni bis November: Revolutionäre Phase der Austreibung: Tausende Bewohner der Stadt und des Landkreises Gablonz werden mit maximal 30 Kilo Gepäck zusammengetrieben und nach Sachsen abgeschoben. Sommer: Zahlreiche Firmen möchten in dem stillgelegten Werk Kaufbeuren Produktionsstätten aufbauen und bemühen sich um Überlassung von Gebäuden. Die amerikanische Militärregierung gibt das Gelände nicht frei Nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft fasst Erich Huschka unter dem Eindruck der bevorstehenden Vertreibung den Entschluss, die Gablonzer zu sammeln und ein neues Siedlungsgebiet für den Wiederaufbau ihrer Glas- und Schmuckwarenindustrie zu finden. Huschka legt in München der Landesstelle für Glas, Porzellan und Keramik eine Denkschrift über seine Ansiedlungspläne vor. Der Leiter dieser Unterbehörde des Landeswirtschaftsamtes, Assessor Reinhold Bender, unterstützt fortan Huschkas Initiative nach besten Kräften. 1. September: Huschka bezieht eine ausgebombte Wohnung in München, Martiusstraße 3, und knüpft von dort Kontakte zu verschiedenen Politikern. 11. September: Das DAG-Gelände wird dem I.G. Farbenindustrie Schwaben Sub-Control Office, Bobingen, unterstellt. Ab Mitte Oktober ist Captain William S. Neil als Regional-Kontrolloffizier für die Fabrik Kaufbeuren zuständig. Für die Verwaltung der Immobilien wird eine Abwicklungsstelle (Treuhänder) eingesetzt, in der auch ehemalige leitende Angestellte des Werkes arbeiten. 7. September: Eine amerikanische Delegation besichtigt das Werk. 17. Oktober: Die amerikanische Besatzungsmacht ordnet die Sprengung der Fabrik Kaufbeuren an. 23. Oktober: Captain Neil ordnet die Räumung des DAG-Geländes an. Alle Explosivstoffe, Chemikalien und verwertbaren Materialien müssen aus dem Werk geschafft werden. 29. Oktober: Beginn der Räumungsaktion, 2000 deutsche Kriegsgefangene und viele Privatpersonen sind im Einsatz. 6. November: Amerikanische Spezialisten bringen die Sprengladungen an den zur Sprengung vorgesehenen Gebäuden an. 12. November: Generalleutnant Truscott löst vor laufender Kamera die Sprengungen aus. 59 Gebäude werden zerstört, weitere Sprengungen erfolgen in den folgenden Wochen und Monaten. Insgesamt werden 83 Gebäude gesprengt. Herbst: Aus dem Sudetenland werden bis Mitte 1947 2,9 Millionen Deutsche vertrieben. Auf Bayern, insbesondere auf das unterbevölkerte und im Krieg kaum zerstörte Ostallgäu, kommt eine riesige Flüchtlingswelle zu. 28. November: Entscheidende Besprechung in der Landesstelle Glas zwischen Vertretern der Regierung und der Ansiedlungsgruppe Huschka. Man kommt überein, etwa 7000 - 10 000 Vertriebene aus dem Raum Gablonz in den Landkreisen Kaufbeuren, Marktoberdorf und Füssen unterzubringen Huschka sieht auf dem bei Kaufbeuren gelegenen Werkgelände der Dynamit-AG sehr gute Voraussetzungen für eine Ansiedlung der Gablonzer Industrie. 2. Dezember: Der Kaufbeurer Bürgermeister Dr. Georg Volkhardt und der Landrat des Kreises Kaufbeuren, Dr. Georg Stang, erhalten vom Regierungsflüchtlingskommissar für Schwaben, Dr. Wolfgang Vohland, die Mitteilung, dass Stadt und Landkreis Kaufbeuren 8000 Vertriebene aufzunehmen haben. Später wird die Quote auf 15 000 erhöht. Die Gruppe Huschka findet in den folgenden Wochen Unterstützung bei Dr. Volkhardt und Dr. Stang. 7. Dezember: Bestätigung des Ansiedlungsbeschlusses durch das Regierungswirtschaftsamt Augsburg. Oktober bis April 1946: Die amerikanische Besatzungsmacht nutzt das am Südrand des Werkgeländes gelegene Barackenlager Riederloh als Internierungslager für ehemalige SS-Angehörige. |
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