Hans-Jürgen Frank, Circus Luna,  Interview vom 29.5. und 30.5.2010 in Bad Wörishofen

 

 

Der 1955 geborene Hans-Jürgen lebte als Junge in Sonnenberg in Thüringen und hatte sich schon immer für den Circus interessiert. Die DDR-Gesetze machten ihm jedoch einen Strich durch seine Pläne. Drei Mal wollte er über die innerdeutsche Grenze flüchten, drei Mal scheiterte er. Als politisch Gefangener, als Republikflüchtling,  landete er im Gefängnis und erst 1973, nach insgesamt mehr als drei Jahren Haft, wurde er für 30 000 DM vom Westen freigekauft.

Sein Bäckerhandwerk musste er wegen einer Roggenmehlallergie an den Nagel hängen.  Als er dann schließlich für seinen angeheiraten Cousin beim Circus Alberti einspringen sollte, war seine Leidenschaft als Artist endgültig entfacht. Als ehemaliger Torwart wusste er wie er sich fallen lassen konnte und wurde bald Komisch-Reiter. Unglaubliche 35 Jahre übte er diese Artistennummer aus und ist seit 1982 beim Circus Luna, so wie seine Frau Mirella (49) und zwei seiner drei Töchter (Virginia, 23 und Slatjana, 17). Rebana ist mit Renaldo Spindler verheiratet und ist natürlich Artistin, allerdings im Circus Leonardi. Kein Wunder, da Rebana schon als „Säugling“ im Circus auftrat und im Balanceakt selbstsicher die Arme ausstreckte.  Hans-Jürgen berichtet, dass er sich gewaltig erschreckte, dass sich das Kind nicht festhielt, wie es sollte.

   

 Wie ein altes Schwarzweißfoto beweist, waren waghalsige Stunts seine Spezialität.

   

Trotz eines Schlaganfalls im Alter von 40 Jahren führte er diese atemberaubende und gefährliche Nummer bis letztes Jahr vor. Ein schwerer Unfall mit einem neuen Pferd während dieses Stunts beendete diesen Teil seiner Karriere. Angst und Aufgeben sind jedoch Fremdwörter für Hans-Jürgen. So leistet er ebenso Erstaunliches beim Balancieren. Insgesamt 11 Stühle mit einem Gesamtgesicht von 55 kg balancierte er bis vor Kurzem auf seinem Kinn.

Die gegenwärtige Wunde an seinem Kinn zog er sich jedoch beim Rasieren zu. Aufgrund der blutverdünnenden Medikamente heilt diese nur langsam zu. Hans-Jürgen kann es kaum erwarten wieder in der Manage aufzutreten. Bis sein Kinn wieder diese enorme Last tragen kann, ohne dass die Wunde wieder aufplatzt, hilft er in der Werbung und Requisite und bereitet in seinem Wohnwagen seine Stühle und das lange Schwert für den nächsten Balance-Auftritt vor.

   

Mit Begeisterung lasse ich mir von seiner Familie und seinen größten Auftritten erzählen.  Hans-Jürgen hat wohl Artistenblut in seinen Adern. Unterkriegen lässt er sich nicht und den Circus verlassen, das kann er sich schon gar nicht vorstellen.

Dass er sich auch mit den Bären des Circus verträgt, beweisen die Fotos. Er liebt die Tiere und die Tiere ihn. Der Bär genießt sichtlich das Spiel und albert herum.

   
Auch die Nummer mit der Wasserrutsche war bei genauer Betrachtung keine Tierquälerei. Wer hinschaut sieht, dass die Bären dazu nicht angetrieben werden, sondern Spaß haben. 
 
Seit August 2010 ist Hans-Jürgen wieder in seinem Element. Doch kaum nachdem ich die Fotos gemacht hatte, balancierte er schon 8 Stühle und demnächst werden es 9 sein. Also werde ich das Foto wieder austauschen müssen!
Ich wünsche Hans-Jürgen und seiner Familie noch ein langes, erfolgreiches Artistenleben!

 

 

Email: circus@dittert-online.de  

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